WERT ERHALTEN ODER WERT VERMEHREN?

Umbauen und Sanieren

Eingriffe in die Tragstruktur

- sind meistens eher kostspielig.

- Richtig entscheiden ist manchmal schwierig

Aus „Thurgauer Bauer“ Nr. 14 – Freitag 2. April 2004

Abnützungserscheinungen, eventuell sogar Schäden auf oder geänderte Bedürfnisse der Benutzer sind ein Grund, weshalb sich Hausbesitzer immer wieder fragen, wie weiter mit unserem Haus.

Es gilt zu entscheiden, wann welche Massnahmen getroffen werden. Sollen wir zuerst eine neue Küche einbauen oder ist der Ersatz der alten Fenster wichtiger? Ist eine Pinselrenovation angesagt oder soll gleich das Wohnzimmer vergrössert werden? Und was, wenn die nächste Generation auch noch im Haus oder auf dem Hof wohnen soll?

Aus Kosten- und auch aus Steuergründen kann es interessant sein, Gebäude zu erhalten. Auch zunächst unansehnliche alte Häuser lassen sich den heutigen Standards anpassen und ansehnlich gestalten.

Grundsätzlich sollte man beim Umbauen und Renovieren möglichst wenig in die Tragkonstruktion des Gebäudes eingreifen, denn bei solchen Massnahmen steigen die Kosten übermässig an.

Wertvolles erkennen und erhalten

Alte Haustüre

neu renoviert und kombiniert mit modernem Wetterschutz.

Alte, aber intakte Bauteile können wenn möglich erhalten bleiben. Die alte Haustür kann kostengünstig renoviert werden. Schmiedeeiserne Beschläge, geschnitzte Treppenläufe und anderes sind wertvolle Details, die heute sehr teuer gekauft werden müssten. Vielfach ist es auch problemlos möglich, bestehende alte Bauteile mit neuen zu kombinieren.

Bauschäden vermeiden

Häufig werden Sanierungsmassnahmen unsachgemäss ausgeführt. Das kann an mangelnden handwerklichen Fähigkeiten genauso liegen wie an der Nichtbeachtung grundlegender bauphysikalischer Regeln.

So werden Probleme ausgelöst, die oft nicht nur bauliche, sondern auch gesundheitliche Schäden mit sich ziehen. Ein Beispiel: Neue Fenster werden eingebaut, das Haus aber nicht besser isoliert. Die neuen Fenster sind dicht und er Luftwechsel findet nicht mehr im gleichen Umfang statt. Es entsteht eine hohe Luftfeuchte. In den Ecken bleibt die Temperatur tief – Kondenswasser kann sich bilden und trocknet nicht mehr richtig aus. Es bildet sich Schimmelpilz.

Pinselrenovation

Mit Farbe und etwas Mut

lassen sich auch Details verschönern.

Neue Farbe = neuer Raum.
Ein wenig frische Farbe und ein Raum wirkt wie Neu.
Mit einer kleinen Pinselrenovation lässt sich viel aus bestehenden Räumen machen. Alte Techniken, z. B. Tupfen mit dem Schwamm, werden wieder neu entdeckt. Auch Farben sind wieder gefragt – es muss nicht immer Weiss sein.

Denken Sie aber bei der Pinselrenovation an die Installationen. Müssen die alten Bleirohre fürs Elektrische eh bald ersetzt werden? Soll die neue Farbe auch hinter dem Heizkörper durchgehen?

Mit ein wenig Mut und der nötigen Energie lässt sich so für wenig Geld viel herausholen.

Renovation in Etappen

Dieses Jahr renovieren wir die Küche - nächstes Jahr das Badezimmer und später die Schlafzimmer. Ein etappiertes Vorgehen kann sehr interessant sein.

Unter Umständen kann man Jahr für Jahr höhere Beträge für Unterhaltskosten von den Steuern abziehen. Zudem ist dieses Vorgehen geeignet um viel Eigenleistungen zu erbringen. Man muss aber bedenken, dass man eine „ewige“ Baustelle im Haus hat.

Bei alten Gebäuden kann alleine das Herunterreissen einer Gipsdecke so viel Staub verursachen, dass anschliessend das ganze Haus gereinigt werden muss. Bei diesem Vorgehen soll auch im Bereich der Installationen sehr genau überlegt werden, was, wann und wo kommt. Es wird schwierig, wenn die Wand, die letztes Jahr frisch verputzt und gestrichen wurde, für eine Leitung wieder aufgerissen werden muss.

Erweitern von Wohnraum ausserhalb der Bauzone

Wenn Nachwuchs in kommt, oder eine 2. Generation auf den Hof zu wohnen kommt, ist oft zusätzliche Wohnfläche gefragt. Das ist vielfach nicht unproblematisch, denn eine Vielzahl von Vorschriften setzt dem Bauen ausserhalb der Bauzonen und damit auf dem Bauernhof enge Grenzen. Auch hier ist fachmännischer Rat von Spezialisten hilfreich. Wieviel Wohnfläche darf zusätzlich ausgebaut werden?

Hier setzen Raumplanungsgesetz und Raumplanungsverordnung die Leitlinien. Weiter muss beachtet werden, dass die zusätzlichen Räume weitere Auswirkungen haben können und eventuell sogar zusätzliche Investitionen mit sich ziehen. Zum Beispiel für Grösse und Bemessung der Hausanschlüsse, Volumen der Jauchelager usw.

Unsere Häuser haben Geschichten zu erzählen. Ihre Fassaden machen unsere Weiler, Dörfer und Landschaften so unverwechselbar. Die Erhaltung dieser Bauten ist eine schöne, manchmal aber nicht ganz billige Angelegenheit. Aber in einem Haus mit einem guten „Geist“ zu wohnen, ist eine Qualität, die unbezahlbar ist. Wenn Sie dazu fachmännischen Rat beiziehen, kostet das etwas. Unter Umständen können dadurch aber weit höhere Kosten für falsche Massnahmen und Enttäuschungen erspart werden.

Sanierungskonzept als Grundlage

Es ist zu empfehlen, nie ohne fachlichen Rat und ohne Gesamtkonzept an Sanierungsmassnahmen heranzugehen. Zuerst sollte eine Bestandesaufnahme des Hauses gemacht werden. Am Besten von einem Baufachmann, der die gesamten Zusammenhänge eines Hauses, inkl. aller Installationen usw. erkennt und versteht, also z. B. von einem Architekten der sich auf die Sanierung von Altbauten spezialisiert hat. Er weiss, welche Wände versetzt werden können und welche nicht. Und er kann die Energieschwachstellen analysieren und ein „rundes“ Sanierungskonzept erstellen. Im Rahmen der Ausführung kann dann der Bauherr durch Eigenleistungen Kosten sparen. Vor Baubeginn sollte auf jeden Fall eine exakte Kostenschätzung vorliegen. Zusammen mit einem Terminplan können dann auch die Eigenleistungen geplant werden.

Autor:

Simon Schönenberger, dipl. Architekt FH/SIA
Oberdorfstrasse 3, 9535 Wilen b. Wil